Rückblick:
Kommunalforum Alpenraum 2026
„Wir werden auch im Jahr 2050 Ski fahren“
Geht den Tourismusgemeinden im Alpenraum der Schnee aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Kommunalforums Alpenraum im Lindner-Innovationszentrum in Kundl. Die Expertinnen und Experten zeigten auf, mit welchen Strategien die Branche auf die Herausforderungen von morgen reagiert. Die Botschaft: Skifahren ist und bleibt das Kernprodukt, alternative Angebote gewinnen zunehmend an Bedeutung.
„Es gab noch nie so viele Skifahrer wie heute. Die Skifahrer werden uns nicht ausgehen“, zeichnete Skitourismusforscher Günther Aigner in einem Impulsvortrag ein optimistisches Bild. „Die 366 Millionen jährlichen Erstzutritte sind weltweit seit 25 Jahren stabil, 44 Prozent davon entfallen auf den Alpenraum. Österreich und Norditalien sind Skitourismusweltmeister.“ Als wichtigsten Zukunftstrend sieht Aigner die Luxurisierung, Skifahren werde elitärer. Gleichzeitig zeige das Beispiel USA, dass selbst im teuersten Skitourismusmarkt der Welt dynamisches Wachstum und neue „All Time Highs“ möglich sind. Zum Thema Klimawandel meinte der Experte: „Wir werden 2050 noch Ski fahren, selbst im Worst-Case-Szenario. Der Skitourismus hat sich von den meteorologischen Rahmenbedingungen entkoppelt.“ Was in öffentlichen Debatte oft untergehe, sei das Thema Nachhaltigkeit: „Skifahren ist zum Glück ökologischer als gedacht, da der CO2-Footprint von Beschneiung, Seilbahnen und Liften gering ist.“ Handlungsbedarf gebe es aber bei der Pistenpräparierung, die sofort dekarbonisiert werden müsse. Insgesamt eröffne die Klimaerwärmung neue Chancen für den alpinen Ganzjahrestourismus, zum Beispiel mit dem Thema Wasser am Berg.
Dem Wandel aktiv begegnen ist auch die Strategie der Tirol Werbung. „Im Winter setzen wir auf die Strategie Skifahren plus, das heißt, Angebote wie Langlaufen und Rodeln werden immer wichtiger. Außerdem entwickeln wir gemeinsam mit den Tourismusverbänden Ganzjahresstrategien“, betonte Ilona Klingler, die den Bereich Themen und Erlebnisse bei der Tirol Werbung leitet.
„Mit der Weiterentwicklung der Tourismusangebote sind für uns neue Geschäftsfelder entstanden. Wir haben mit unseren Traktoren und Transportern Ganzjahreslösungen entwickelt, bei denen die Fahrzeuge mit Raupenlaufwerk ausgestattet werden und so im Winter für perfekt präparierte Langlaufloipen und Rodelbahnen sorgen. Durch den Umbau auf Standardreifen können unsere Lintracs und Unitracs im Ganzjahresbetrieb eingesetzt werden. Besonders bei Seilbahnen und Tourismusregionen wie Lech am Arlberg, Ischgl,Kaprun, Sölden oder Silvretta Montafon hat sich dieses Konzept in der Praxis bereits bestens bewährt“, erklärte David Lindner, Geschäftsführer bei Lindner Traktoren.
Boris Giesen, Leiter Vertrieb & Geschäftsentwicklung bei Henne Nutzfahrzeuge, gab in Kundl Einblicke in die Zukunft des Winterdiensts. „Nicht die Technik hat sich verändert, aber die Planbarkeit. Die Winter sind ungleichmäßiger geworden, gleichzeitig sind die Ansprüche gestiegen, dass alles sofort geräumt werden muss.“
Regionen gut gerüstet
In der abschließenden Talkrunde diskutierten Reinhard Klier (Vorstand Stubaier Gletscher), Rudolf Eberle (Geschäftsführer Hochgratbahn), Walter Osl (Bürgermeister Angerberg) und Dominik Oberstaller (Präsident Südtiroler Gemeindenverband). Das Fazit: Dank technischer Beschneiung und laufender Innovationen sind die Regionen im Alpenraum gut aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.